Meinungen und Informationen
rund um die Modelleisenbahn

Das Alter hast Du ja ...

... sagte meine Frau zu mir, als ich vor vielen Jahren den Wiedereinstieg in die Modellbahnerei startete. Der übliche Weg, wir kennen ihn. Beruf und Familie lief in geordneten Bahnen, die Kinder wuchsen heran und mutierten schnell zum Alibi für den Neubeginn. Natürlich erwies ich mich als äußerst markenkonform, die Saat mit der Startpackung aus Kindertagen war aufgegangen.

Ich verhielt mich epochenneutral und detailverliebt, merkte aber schnell, dass ich mich auch mit der neuen Technik anfreunden wollte. Und so wurde aus mir von Neubeginn an ein begeisterter Digitaler, der Lötkolben bleib weitgehend kalt, da ich ja mit großen Augen verfolgte, wie sich alle Betriebsabläufe, die ich vorher nur durch aufwendige analoge Schaltungen lösen konnte, auf einmal wie von Zauberhand durch zwei Drähte zwängen ließen.

Es gab kein Halten! Auch die Playmobil-Bahn der lieben Kleinen wurde digitalisiert und drehte im Motorola-Format ihre Runden vor dem Ferienhaus. Gesteuert aus einer Märklin-Zentrale, die einer Anfangspackung entstammte und mit ihren vier Tastern auch nur genau die vier Loks ansprechen konnte, die wir hatten. Und die machten dann das, was uns wesentlicher Sinn der Sache schien: wir spielten und verbrachten herrliche Tage mit den Hin- und Herfahren all der kleinen Dinge, die im Garten herumlagen.

Nun gab es aber noch die inzwischen erheblich gewachsene H0-Anlage. Der Teufel saß im Detail; schon bald verbrachte ich erhebliche Zeit mit dem Grübeln über das richtige System. War es nicht besser, auf DCC oder gar Selectrix umzusteigen? Die Frage “ob” war der Frage gewichen, wie man dem Vorbild in der Steuerung möglichst nahe kommen konnte.

“Das Alter hast du ja”, sagte ich zu mir, “damit muss du dich genau auseinandersetzen, ehe die Alters-Demens zuschlägt”.

Es sollte noch viele Jahre dauern, in denen ich zufrieden Informationen und Material sammelte. Inzwischen konnte ich Systementscheidungen aufgeben, es gab die Intellibox und mein Schaffensdrang konzentrierte sich im Wesentlichen auf den Einbau immer kleinerer Decoder in immer aufwendiger konstruierte Lokomotiven und Wagen.

Ich will auch keinen Computer im Eisenbahnkeller - dieser modere Plagegeist ist Teil meines Berufes geworden. Dort bediene ich ihn virtuos, aber mein Hobby ist mir ohne lieber.

“Das Alter habe ich” rufe ich nun den Herstellern zu. Ich bin erwachsen genug, um mir ein Urteil zu erlauben. Unser Hobby lebt nur dann weiter, wenn die Modellbahntechnik erklärbar bleibt, die elektronischen Helferlein intuitiv zu bedienen sind und wirklichen Nutzen stiften. Das gilt für einfache Fahrbefehle genau so wie für komplexe Schattenbahnhof- und Blockstellensteuerungen. Und obendrein wünschte ich mir ganz andere Dinge - wie wäre es denn mal endlich mit der elektrischen Kupplung an allen Fahrzeugen, nicht nur an der Lok? Siehe oben. Gern erinnere ich mich an die glücklichen Tage, an denen die Playmobil-Bahn Kekse durch den Garten führ und jeder sofort mitspielen könnte. Meine Kinder habe ich inzwischen an das Internet verloren, es ist inzwischen offenbar einfacher, einen Computer zu bedienen, als eine Pendelstelle mi einer "Lizzi" zu programmieren.


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